Interview mit Robin Pollinger

Gelernter Industriemechaniker, jetzt Projektleiter

Robin Pollinger ist 25 Jahre alt und bereits heute Projektleiter bei vip systemtechnik in Fellbach. Gelernt hat Robin den Beruf des Industriemechanikers in einem großen deutschen Konzern, in dem nach der Ausbildung der Weg zum Studium mehr oder minder vorgegeben wurde. Nach 4 Semestern Maschinenbau entschied sich Robin jedoch gegen einen Fortsetzung des Studiums und für die Ausübung seines Berufs, zunächst wieder im Konzern. Die ständig gleiche Tätigkeit als einer unter vielen war für ihn jedoch nicht zielführend und so begab er sich auf die Suche nach neuen Herausforderungen.

Robin, wie war die Ausbildung als Industriemechaniker?

Bei Bosch dauert die Ausbildung zum Industriemechaniker mit Fachhochschulreife (FH) 3 Jahre und soll als Sprungbrett zum Weiterkommen dienen. Ich habe in den Theoriephasen öfter als bei einer „normalen“ Ausbildung ein Berufskolleg besucht. Während der gesamten Ausbildungszeit wurde auf ein Anschlußstudium hingearbeitet. Ich habe dann ja auch begonnen Maschinenbau zu studieren.

Robin Pollinger

Und welche Schwerpunkte hatte Deine Ausbildung?

Uns wurden zum Glück nicht nur die Basics oder Mechanik beigebracht. Selbstorganisation und Gruppenarbeit, Projektleitung und -management sowie Qualitätsmanagement waren auch Teil der Ausbildung und auf Genauigkeit und Sorgfalt wurde besonders geachtet. Im Theorieunterricht wurden zusätzliche fachtheoretische Kenntnisse vermittelt in dem z. B. die Inhalte der Elektrotechnik, Technologie, technische Physik oder CAD vertieft behandelt wurden.

Wie wären deine Karrierechancen gewesen?

Wir waren bei Bosch der erste Jahrgang, der nach der Ausbildung komplett übernommen wurde und in der Fertigung und Montage, im Musterbau, der Qualitätssicherung, in den Entwicklungsabteilungen oder im Service zum Einsatz kamen. Auch nach dem abgebrochenen Studium konnte ich wieder bei Bosch einsteigen. Letztendlich war ich jedoch mit den immer selben Tätigkeiten als einer unter 130.000 Mitarbeitern nicht zufrieden. Alles fühlte sich anonym an und es gab keinen echten Kundenkontakt. Ich wollte irgendetwas mit mehr persönlicher Herausforderung machen.

Wie bist Du dann in der AV Branche gelandet?

Auf der Suche nach einer neue Aufgabe wurde ich Teil einer Facebook Jobbörsengruppe für den Raum Stuttgart und Umgebung und hier fiel mir eines Tages die Anzeige von vip systemtechnik auf. Die war ansprechend weil hauptsächlich Persönlichkeit gefragt war und technische Vorkenntnisse. Die hatte ich ja vor allem auch durch mein Hobby, die Band und das Schrauben an Geräten. Da konnte ich ja im Prinzip Hobby und Beruf vereinen.

Warum war das dann die perfekte Position für Dich?

Im Vorstellungsgespräch haben wir auf beiden Seiten schnell gemerkt, dass die Ansichten übereinstimmen. Ich war von den Leitsätzen der Firma beeindruckt, ich kannte das ja aus dem Konzern, hätte aber nicht gedacht, dass auch kleinere Unternehmen schon so Strukturen haben und klar formulierte Ziele. Hier zählt die Qualität der Leistung und die Kundenzufriedenheit steht eindeutig im Vordergrund. Und schließlich hat mich auch das Team, zu dem auch Mina, der Hund für alle Fälle gehört, überzeugt. Da wollte ich gern dazu gehören.

Zum Beginn meines Arbeitsverhältnisses war ich … hauptsächlich mit dem Aufhängen von Lautsprechern, Leinwänden und der Montage von Technikschränken usw. betraut.

Was sind Deine Aufgaben als Projektleiter?

Zum Beginn meines Arbeitsverhältnisses war ich ja als Techniker beschäftigt und hauptsächlich mit dem Aufhängen von Lautsprechern, Leinwänden und der Montage von Technikschränken usw. betraut. Eben die typischen Installationsaufgaben bei einem Projekt.

Gab es da Ähnlichkeiten zu Deinem erlernten Beruf?

Nein, die Aufgaben als Techniker sind komplett anders als an der Drehbank Modelle zu fertigen. Aber mein Hobby, die Band und das Schrauben an Geräten, kam mir hier zu Hilfe. Auch Fähigkeiten, die ich während der Ausbildung erlernt haben, wie Elektrotechnik und Konstruktionsplanung, aber auch das Arbeiten mit CAD Programmen haben mir geholfen die Aufgaben zu bewältigen. Und, die Installation von Equipment hat einen riesigen Lerneffekt, der mich meinem Ziel Projektmanagement und -planung näher gebracht hat. Das wollte ich nämlich eigentlich immer, auch wenn ich einen eigentlich handwerklichen Beruf erlernt habe.

Panoramasaal Filderhalle

(C) Filderhalle Convention & Event Center

Wie haben sich Deine Aufgaben im Laufe Deiner bisherigen Tätigkeit dann verändert?

Während ich als Techniker beschäftigt war, hat sich mein Interesse an der Planung von Projekten vertieft. Außerdem wollte ich mehr Hintergrundwissen haben um Fragen von Kunden beantworten zu können. Ich wollte wissen was warum und wie geplant wurde und was man anders machen könnte um die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Ich wollte fundierte technische Auskünfte geben können ohne immer im Büro nachfragen zu müssen. Fachwissen war bei den Kundenkontakt gefragt und ich habe schnell den Ehrgeiz entwickelt  mich persönlich weiterentwickeln zu wollen. Mein Unternehmen hat mir die Möglichkeit gegeben, diesen Ehrgeiz auch umzusetzen und meine Fähigkeiten zu erkennen und weiterzuentwickeln. Heute bin ich Projektleiter, die Planung und Umsetzung habe ich am praktischen Beispiel auf der Baustelle gelernt und auch heute noch bin ich auf Serviceeinsätzen als Techniker tätig. Man verlernt das nicht und ich gehe gern mal „back to the roots“.

Wie sahen und sehen Deine Weiterbildungsmöglichkeiten in der AV Branche aus?

Während meiner bisherigen beruflichen Karriere habe ich festgestellt, dass jeder persönlich für seine Weiterbildung verantwortlich ist. Entdeckt man eine besondere Begabung oder Interesse sollte man das fördern. Über Seminare und Webinare zu allgemeinen Themen der AV Branche habe ich angefangen mich weiterzubilden, dann folgten CTS Zertifizierungen bei AVIXA. Ich finde Grundlagenschulungen als Start besonders wichtig um produktspezifische Schulungen besser verstehen zu können. Und dann sollte man erst einmal eigene Erfahrungen durch die praktische Umsetzung des Erlernten sammeln. Aber auch hier, die Eigeninitiative ist immer am wichtigsten. Hat man eine Nische gefunden, sollte man seine Kenntnisse erweitern und sich spezialisieren. Ich finde, die AV Branche macht genau das für jeden möglich. Man kann sich dann weiterbilden, wenn man es kann und möchte und muss sich nicht nach einem vorgegebenen Lernplan halten. Maximale Flexibilität die einen echt weiterbringt. Man kann praktische Erfahrungen und die persönliche Weiterentwicklung genau auf seine Bedürfnisse und Möglichkeiten angepasst kombinieren.

Nutzt Du für Deine tägliche Arbeit auch Standards, wie sie gerade für die AV Branche entwickelt werden?

Das Thema Standards ist natürlich auch bei uns ein heißes Thema.

Meiner Meinung nach sind Standards die Grundlage für eine dauerhaft gleichbleibende Qualität und die Vergleichbarkeit von Leistungen. Sie sind am Ende für den Kunden der Garant für eine entsprechend langlebige und betriebssichere Lösung. Wir versuchen bis dato natürlich auch unsere eigenen Standards zu kreieren, an welchen wir uns messen und verbessern können, aber firmenübergreifende Standards sind für die Branche unabdingbar. Somit ist es dringend notwendig, die von AVIXA zusammengestellten Standards, allen Beteiligten nahe zu bringen, um die Qualität in Projekten zu gewährleisten  und zu heben und so einen weiteren Meilenstein in unserer Branche setzen zu können.

Das Thema Standards ist natürlich auch bei uns ein heißes Thema.

Trägst Du in Deinem Job Verantwortung für etwas?

Ja klar. Jetzt als Projektleiter bin ich für die Planung der Projekte zuständig, zu der auch die Mitarbeiterorganisation, das Bestellwesen und die Logistik gehören. Ich kümmere mich aber auch um die Einweisung der Mitarbeiter und die Zeitpläne und am Ende bin ich auch für die Inbetriebnahme und Abnahmen des fertigen Projektes zuständig. Und natürlich gehören auch die Absprachen mit Kooperationspartnern, der ständige Kundenkontakt, die Umsetzung von Änderungswünsche und die entsprechende Plananpassung zu meinen Aufgaben. Alles sehr verantwortungsvoll, wie ich finde.

Gibt es besondere Projekte an die Du Dich gern erinnerst?

Oh ja. Als meinen persönlichen Meilenstein bezeichne ich gern das Projekt Panoramahotel Waldenburg und die Ausstattung von 10 Konferenzräumen mit Medientechnik. Hier war ich von Anfang bis Ende bei allen Entscheidungen und der Installation dabei. Die Räume wurden mit Flatscreens, Beamern, Funkmikrofonen, Headsets und Beschallungsanlagen ausgestattet. Danach hatte ich das Gefühl ein echter Medientechniker zu sein. Ein anderes, für mich besonders wichtiges, Projekt war die Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen. Hier habe ich viele wichtige Kontakte geknüpft, viel genetzwerkt. Daraufhin  kamen viele neue Projekte. Meine persönliche Anstrengung bei diesem Projekt hat sich also mehr als bezahlt gemacht. Sind der Planer und der Kunde zufrieden, empfehlen sie einen weiter. Ein super Gefühl, dass mich unglaublich stolz macht.

Was macht diesen Job und die AV Branche für Dich so reizvoll?

Das ist ganz eindeutig die Abwechslung bei den Projekten. Jeden Tag warten neue Herausforderungen auf mich und damit die Chance mich immer weiterzuentwickeln. Der rasante Fortschritt zukunftsweisender Technik, die echt begeistern kann, und der rege Kundenkontakt tun ihr übriges um mich jeden Morgen mit einem guten Gefühl und voll Vorfreude aufstehen zu lassen. Und es ist schon irgendwie cool von Bekannten oder Freunden auf Projekte angesprochen zu werden und es macht mich stolz dann sagen zu können, ja da habe ich mitgewirkt.

Wie sieht denn so der Tagesablauf eines Projektleiters aus?

In diesem Job gibt es keinen üblichen Tagesablauf. Bei uns gibt es so etwas wie
„Bürotage“. Da befasse ich mich hauptsächlich mit der Planung von Projekten, kümmere mich um den Support, führe Klärungsgespräche oder beantworte Anfrage. Außerdem gehören an diesen Tagen die Materialbestellung, Logistik und Informationseinholung aus allen anderen Abteilungen zu meinen Aufgaben und schlussendlich auch die Dokumentation.

An „Projekttagen“ nehme ich vor-Ort-Termine war und überprüfe Projekte, führe Kundengespräche und bin der Problemlöser auf der Baustelle, außerdem finden an diesen Tagen die Abnahmen statt oder Projektvorbereitungen. Die Klärung von Änderungswünschen geht vor Ort natürlich auch einfacher und sowieso ist der persönliche Kontakt zum Kunden das wichtigste für die erfolgreiche Abwicklung eines Projektes.

Kannst Du ein Fazit Deiner bisherigen beruflichen Laufbahn ziehen? Was würdest Du anders machen, was nochmal genauso?

Was ich ganz klar sagen kann, ist, dass ich die Entscheidung für oder gegen ein Studium eindeutiger treffen würde und dann auch dem entsprechend durchziehen. So verschwendet man keine Zeit. Und ich würde mehr Engagement aufbringen, von Anfang an. Der Wechsel in die AV Branche war definitiv ein Glücksfall für mich. Hier sind Spezialisierung für jeden möglich und eine Weiterbildung kann erfolgen wenn man seine Stärken und Vorlieben ausgetestet und gefunden hat. Wo ist das denn sonst so einfach möglich.

Hast Du Tipps für Jugendliche, die sich nicht sicher sind ob die AV Branche etwas für sie wäre?

Also wenn man technikaffin ist und sein Hobby gern mit dem Beruf verbinden möchte, ist man in der AV Branche definitiv richtig. Bist Du neugierig auf die Technik bei einem Konzert, möchtest gern mal hinter die Kulissen blicken? Dann ist das schon mal ein Anfang. Die AV Branche bietet so breitgefächerte Möglichkeiten. Egal welchen Weg man eingeschlagen hat oder gehen möchte, ob man einen Bürojob favorisiert, Elektriker ist oder Planer werden will, alles ist hier möglich, wenn man mit dem nötigen Engagement und dem Willen zur persönlichen Weiterentwicklung rangeht, Herausforderungen liebt und nicht unbedingt einen konventionellen Nine-to-five-Job ableisten möchte.