Interview mit Nele Bornstedt

Dipl.-Ing. bei der Müller-BBM GmbH

Nele Bornstedt ist 41 Jahre alt und bereits ihre gesamte berufliche Laufbahn in der Medien-/AV-Branche tätig. Schon vor ihrem Studium an der HAW in Hamburg zur Diplom Ingenieurin Medientechnik stand für sie fest, dass das Theater in ihrem beruflichen Leben eine übergeordnete Rolle spielen soll. Nicht als Schauspieler, sondern die gesamte Technik faszinierte sie schon damals. 

Mit Müller-BBM fand sie dann einen Arbeitgeber, der ein ideales Umfeld für diese Leidenschaft bereitstellt. Die gebürtige Kielerin ist nun seit über 15 Jahren Wahl-Münchnerin. Was Sie dort genau macht, erzählt sie uns heute im Interview.

Nele, wie bist du auf die Idee gekommen, Ingenieurin für Medientechnik zu werden?

Das Theater hat mich schon immer begeistert. Bevor ich das Studieren anfing, habe ich bereits ein Praktikum im Kieler Theater gemacht. Das hat meinen Wunsch, in dieser Branche einmal zu arbeiten gefestigt und so habe ich mich an der HAW in Hamburg für den Studiengang zur Diplom-Ingenieurin für Medientechnik eingeschrieben.

War dieser Studiengang reine Theorie oder hattest du auch Praxisphasen?

Ein Praxissemester war in diesem Studiengang festgesetzt. Insgesamt dauerte das 20 Wochen. Lustigerweise habe ich das bereits bei Müller-BBM gemacht, ohne zu wissen, dass es mich dort noch einmal hin verschlägt. Während meines Studiums habe ich außerdem nebenbei als selbstständige Tontechnikerin gearbeitet und auch eine Spielzeit in der Tonabteilung des Hamburger Schauspielhauses.

Erzähl mir von Deinen Aufgaben als selbständige Tontechnikerin.

Als selbstständige Tontechnikerin in Hamburg habe ich recht leicht Arbeit gefunden. Meine Tätigkeit damals kann man heutzutage eher mit dem Aufgabengebiet eines Veranstaltungstechnikers beschreiben. Also viel Technik herumschleppen, aufbauen, alles in allem mehr körperliche Arbeit. Es hat mir immer großen Spaß gemacht, aber mir war klar, dass ich nicht ewig dieser, körperlich sehr anstrengenden, Tätigkeit nachgehen möchte.

Was war Deine erste Station nach dem Studium?

Mit dem Diplom in der Tasche bin ich erst einmal zurück nach Kiel, um dort wieder im Theater zu arbeiten und parallel dazu weiter selbständig. Nachdem das aber wieder eher der Job eines Tontechnikers war, habe ich nach zwei Jahren beschlossen, dass ich eine berufliche Veränderung brauche.

Wie hast Du Dich denn dann verändert?

Ich habe die Messe Prolight + Sound besucht, um mich dort nach verfügbaren Stellen umzusehen. Wie es der Zufall so wollte, habe ich dann ein paar ehemalige Kollegen von Müller-BBM getroffen. Sie haben mir erzählt, dass die Firma aktuell auf Mitarbeitersuche ist. Mein erster Gedanke war zwar, dass ich das Meer nicht gegen die Berge tauschen möchte, doch dann haben sie mir erzählt, welcher Job da gerade verfügbar ist.

Mir wurde ein Job im Team für die Planung der Audio- und Videotechnik für das Bolschoi Theater in Moskau angeboten. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen.

Was für ein Job war das denn?

Mir wurde ein Job im Team für die Planung der Audio- und Videotechnik für das Bolschoi Theater in Moskau angeboten. Das konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Zumal die Müller-BBM ein Spezialist für die Beratung und Planung von Theater-Bauten ist.  Seit einigen Jahren bin ich die Teamleitung für das Planungsteam Medien- und Kommunikationstechnik und bin bis heute glücklich mit diesem Job.

Was sind Deine Aufgaben in dieser Position?

Hauptsächlich sind mein Team und ich für die gesamten Belange der Planung von AV-Technik zuständig. Das beinhaltet auch die Kabelinfrastruktur und die Elektroplanung für die AV-Technik. Unsere Auftraggeber sind in den meisten Fällen Theater oder andere öffentliche Einrichtungen, weshalb wir ein Projekt meistens mit einer Bewerbung beginnen.

Was sind Deine Aufgaben in dieser Position?

Hauptsächlich sind mein Team und ich für die gesamten Belange der Planung von AV-Technik zuständig. Das beinhaltet auch die Kabelinfrastruktur und die Elektroplanung für die AV-Technik. Unsere Auftraggeber sind in den meisten Fällen Theater oder andere öffentliche Einrichtungen, weshalb wir ein Projekt meistens mit einer Bewerbung beginnen.

Wie startet denn so ein Projekt?

Verläuft die Bewerbung gut und wir erhalten den Zuschlag für das Projekt, beginnen die Gespräche mit Bauherrn und Auftraggeber. Zu allererst muss eine Grundlagenermittlung durchgeführt werden. Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, welche Art von Veranstaltungen hier später einmal stattfinden sollen, denn die technische Ausstattung muss daran angepasst werden. Sind die Grundlagen erst einmal ermittelt können wir mit der Variantenuntersuchung beginnen.

Bolshoi Aussen Das Bolshoi Theater in Moskau[/caption]

Ich war beispielsweise schon für Projekte in Brasilien und Russland, wobei ich sagen muss, dass das Projekt in Russland schon etwas ganz Besonderes war.

Das Bolshoi Theater von der Bühne aus gesehen

Variantenuntersuchung?

Hier geht es tiefer in die Planung. Was für Technik wird benötigt? Wer benutzt diese und wie zugänglich muss sie sein? Steht der Plan fest beginnt die technische Ausschreibung, um einen passenden Installationsbetrieb zu finden. Wir überprüfen dann die eingegangenen Angebote und geben eine Vergabeempfehlung an den Bauherrn sowie Auftraggeber weiter. Ist ein Betrieb gefunden geht das Projekt in die Bauphase über. Währenddessen sind wir immer wieder vor Ort, um die Installationsarbeiten zu überwachen.

Betreust Du nur Projekte in Deutschland?

Nein. Nachdem wir einen sehr guten Ruf in der Theaterwelt haben, sind wir über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Ich war beispielsweise schon für Projekte in Brasilien und Russland, wobei ich sagen muss, dass das Bolschi in Russland schon etwas ganz Besonderes war.
Für mich als Theatermensch war das natürlich ein Riesending! Aber auch wenn man nicht der größte Theaterfan ist, war dieses Projekt sehr spannend.

Was habt Ihr dabei alles gemacht?

Einerseits hat die Müller-BBM dort an den akustischen Maßnahmen mitgewirkt, um den bekannten guten Klang des Theaters auch nach der Sanierung zu erhalten. In enger Zusammenarbeit mit den Restauratoren und mit großer Rücksicht auf das historisch-architektonische Vorbild konnten die Kollegen im großen Theatersaal die ursprüngliche hervorragende Akustik nicht nur wiederherstellen, sondern weiter optimieren. Andererseits haben mein Team und ich uns intensiv mit der technischen Modernisierung der AV-Technik beschäftigt.

Habt Ihr dort auch „klassische“ AV geplant?

Natürlich! Nachdem die Restaurierung sowieso schon begonnen hat, konnten wir alles unter einen Hut bringen. So haben wir für das Theater eine Aufrüstung mit modernster Audio- und Videotechnik geplant. Dabei kann die gesamte Bild- und Tonproduktion zentral gesteuert und wiedergegeben werden. Neben dem historischen Theatersaal haben wir zusätzlich noch fünf Veranstaltungssäle und drei Probebühnen ausgestattet. Nachdem viele verschiedene Mitarbeiter die Technik bedienen können müssen, haben wir auch auf die Nutzerfreundlichkeit geachtet. So können selbst die Künstler ganz einfach Musik- oder Videoaufnahmen machen und sie zentral am Server abspielen.

Was macht den Beruf der Ton-Ingenieurin für Dich so reizvoll?

Ich habe bereits damals in meiner Zeit im Theater gemerkt, dass mir die Themen Ton und Video großen Spaß machen. Entweder man ist ein Theatermensch oder eben keiner, ich bin ersteres. Der Schritt vom Anpacken an den Planungstisch war rückwirkend betrachtet auch ein sehr guter. Ein Projekt im Team anzugehen, zu planen und dann seine Ideen umgesetzt zu sehen ist einfach ein tolles Gefühl. Außerdem komme ich in diesem Beruf auch um die Welt und diese Reisen möchte ich nicht missen. Egal ob Moskau oder Sao Paulo, ein Besuch vor Ort ist immer etwas Besonderes!

Einen Vorteil hat man dennoch als Frau in diesem Metier. Man ist bekannter und sticht etwas aus der Masse heraus, wodurch Dinge wie Networking leichter fallen.

Hattest Du als Frau in der Branche einmal das Gefühl benachteiligt zu werden?

Nein, mir ist da nie etwas aufgefallen. Ich habe den Eindruck, dass die Branche in dieser Hinsicht sehr offen ist und ich wurde stets, ohne Vorurteile, gleichberechtigt behandelt. Bei uns hier bei Müller-BBM haben wir eine gute Mischung und einen hohen Frauenanteil und das ohne Quote. Wir bewerten Menschen nicht nach ihrem Geschlecht oder Herkunft, sondern schauen uns ihr Profil an. Wenn die Noten und Interessen passen und man eigenverantwortlich arbeiten kann, dann hat man gute Chancen auf einen Job. Einen Vorteil hat man dennoch als Frau in diesem Metier. Man ist bekannter und sticht etwas aus der Masse heraus, wodurch Dinge wie Networking leichter fallen.

Hast du abschließend noch ein paar Tipps für Berufseinsteiger?

Studenten sollten sich nicht nur auf das Studieren konzentrieren, sondern auch links und rechts nach Möglichkeiten suchen. Wenn man ein interessantes Praktikum ermöglicht bekommt, sollte man dieses auch unbedingt annehmen. Es hilft auch, Messen aus seinem Bereich zu besuchen, um frühzeitig Kontakte zu knüpfen. Networking ist in einer so kleinen Branche essentiell und man profitiert davon während der gesamten Karriere, demnach sollte man sein Netzwerk auch pflegen.

Über Müller-BBM

Die Müller-BBM GmbH mit Sitz in Planegg (München) ist mit über 400 hochqualifizierten Mitarbeitern eine der führenden Ingenieurgesellschaften für Beratungsleistungen, Prüfungen und Planungen in allen Bereichen der Akustik, der Bauphysik und des Umweltschutzes. Sie ist eines der führenden deutschen Ingenieurbüros unter anderem für Medien- und Kommunikationstechnik, Raum- und Bauakustik, Thermische Bauphysik, Schallschutz und Brandschutz. Die Dienstleistungen umfassen neben der Planung beratende Tätigkeiten, Messung, Forschung und Entwicklung sowie die Erstellung von Gutachten. Das Unternehmen ist seit über 50 Jahren erfolgreich in der Planung und Beratung von Kultur- und Veranstaltungsbauten, Tagungs- und Kongresszentren, Parlamentsgebäuden wie auch Hochschulbauten oder Medienproduktionsstätten in sämtlichen Planungsphasen tätig. Darüber hinaus unterstützen und beraten sie Bauherren, Architekten und Nutzer auch beim späteren Betrieb des Hauses.