Interview mit Iraklis Lampropoulos

Associate – Digital Systems Consultant beim Advanced Building Engineering Team von Arup Deutschland 

Iraklis Lampropoulos ist 42 Jahre alt und bereits seit über 16 Jahren im Bereich der Medientechnik tätig. Ursprünglich kommt er aus dem Ingenieurswesen, aber aufgrund seiner Leidenschaft zur Musik und einem entsprechend ausgelegten Masterstudium fand er letztlich den Weg in die AV-Branche und fungiert bei vielen Projekten als Schnittstelle zwischen den verschiedenen Gewerken aus der Bau-, IT- und AV-Branche.

Zur Person

Einer der Gründe, wieso er zwischen diesen verschiedenen Gewerken sitzt hat einerseits mit seinem beruflichen Weg und andererseits mit seinem Arbeitgeber zu tun. Seit dem erfolgreichen Abschluss seines Masterstudiums ist Iraklis nämlich bei der Arup Group tätig.

Iraklis, wie hast Du Deine berufliche Laufbahn gestartet?

Angefangen hat alles mit meinem Studium in Bauingenieurwesen an der Technische Universität (Polytechnion) in Athen. Dort habe ich fünf Jahre lang studiert und bereits hier die ersten Berührungspunkte mit der Akustik und der AV-Branche gehabt.

Welche denn?

Ich hatte schon immer viel mit Musik zu tun und war damals (und bin es noch heute) selbst aktiver Musiker. Demnach habe ich mich bereits zu diesem Zeitpunkt mit Audiotechnik beschäftigt und wollte mein Hobby in meine Diplomarbeit integrieren. In dieser ging es darum, eine Werkstatt in der Universität in einen großen Konferenzraum umzuplanen. Ich habe zu dieser Zeit auch angefangen mit der Ulysses Software zur Simulation von Raumakustik zu arbeiten, welche ich dann in meine Diplomarbeit implementiert habe und diese erfolgreich abgeschlossen.

Wie ging es dann nach Deinem Diplom weiter?

Während meiner Diplomarbeit habe ich festgestellt, dass mir das Thema Akustik und Audio viel Spaß macht und so habe ich mich dazu entschlossen, ein Masterstudium mit Schwerpunkt Elektroakustik anzuhängen.

Wieder an der Universität in Athen?

Nein, die Reise ging in die USA. Mein Masterstudium habe ich im Norden von New York an der Architektur Schule des Rensselaer Polytechnic Institute in Troy absolviert. Das Studium ging über zwei Jahre, wovon ich das gesamte zweite Jahr mit meiner Masterarbeit beschäftigt war.

Worum ging es in Deiner Masterarbeit?

Ich hatte das Glück, dass einer meiner Professoren damals für Yamaha im Bereich der Musikinstrumente tätig war. Durch ihn bin ich an ein Projekt in einer Kirche in Schenectady gekommen, in der häufig Orchesterauftritte stattfanden. Das Orchester beschwerte sich über die Qualität der Tiefenfrequenzen, die auf die Bühne zurückkamen und die Kirche war gewillt das Problem zu lösen. Das Thema dieses Projekts und somit meiner Diplomarbeit war dann die Verlängerung der Nachhallzeit durch elektronische Mittel (die sogenannte elektronische Architektur, denn man bekommt elektronisch den Eindruck in einer anderen Raumart oder -größe zu sein). Über den gesamten Innenbereich haben wir im Anschluss Lautsprecher und Mikrofone strategisch positioniert und unsichtbar integriert, was aber nichts mit der herkömmlichen Beschallungsanlage der Kirche zu tun hat. Diese nehmen den Schall des nachhaltigen Feldes vom Orchester auf. Die empfangenen Signale können dann mittels DSP mit Nutzung von FIR Filtern angepasst und wiedergegeben werden. Als Ergebnis erhält man ein natürliches Klangerlebnis, sowohl für die Zuhörer als auch für das Orchester selbst. Nach einem spannenden Jahr Arbeit war das Projekt letztlich abgeschlossen und ich erhielt mein M.Sc. Diploma.

Und dann ging es für Dich direkt in die Arbeitswelt?

Exakt! Schon damals kam der Kontakt zu Arup zustande und so wurde mir nach einigen guten Gesprächen ein Job im New Yorker Büro angeboten. Mit 25 Jahren in New York zu arbeiten war eine unvergessliche Erfahrung für mich.

Was ist ethisch und was nicht? Diese Frage muss man selbst reflektieren, denn es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, sondern das Leben hat viele Graustufen.

Wie ging es dann weiter?

Für das New Yorker Büro war ich insgesamt sechs Jahre tätig. Während dieser Zeit bekamen wir ein Projekt in Athen, welches ich die kommenden neun Jahre betreut habe. Einerseits von New York aus, andererseits vor Ort und auch aus Berlin.

Berlin?

Während des Projekts kam erst der Kontakt und dann letztendlich auch die Anstellung in der Niederlassung in Berlin von Arup zustande, wo ich nun seit mehr als zehn Jahren arbeite.

Neun Jahre klingt nach einer langen Zeit, was für ein Projekt war das denn?

Es hat sich dabei um ein Kulturzentrum in Athen gehandelt, was die Nationaloper und Nationalbibliothek Griechenlands einschließt. Ich als Grieche war für dieses Projekt natürlich von Anfang an Feuer und Flamme. Unser Auftraggeber war die Stavros Niarchos Foundation mit Sitz in New York, die das ganze Projekt finanzierte, um es dann dem griechischen Volk zu schenken. Das Projekt wurde uns von Beginn an anvertraut und wir durften zusammen mit dem Architekturbüro von Renzo Piano eine ganzheitliche Planung erstellen, die die verschiedensten Gewerke von Arup umfasste.

Was war Deine Aufgabe bei diesem Projekt?

Ich war für die integrierte Planung von Systemen für IT und Medientechnik zuständig. Das schöne dabei war, dass ich meine eigenen Visionen einbringen konnte, welche dann im Laufe der Jahre konkrete Formen annahmen und letztendlich realisiert wurden. Das war ein wahnsinnig tolles Gefühl, als man dann das fertige Projekt vor Augen hatte!

Stavros Niarchos Foundation 11 © Michel Denancé

Über Arup

Die Arup Group ist ein Konzern mit weltweiten Niederlassungen. Das Unternehmen wurde 1946 in London von Sir Ove Arup gegründet und war anfänglich ein Büro für Tragwerkplanung. Ove Arup war seines Zeichens Tragwerkplaner und Philosoph. Große Bekanntheit erlangte das Unternehmen mit dem Auftrag des Sydney Opera House, wessen ikonische Architektur von Jørn Utzon erdacht und von Ove Arup tragfähig gemacht wurde. Das damit verbundene Wachstum des Unternehmens führte letztlich nicht nur zu weltweiten Niederlassungen, sondern auch zum konsequenten Ausbau der Tätigkeitsbereiche. Einen Flughafen planen, eine Strategie zur Entlastung eines Verkehrsknoten oder ein langfristiger Plan zum Katastrophenschutz für ein Frischwasserreservoir sind nur einige Beispiele aus der breitgefächerten Expertise.

Zudem wächst der Bereich des „Digital Consulting“ seit Beginn des digitalen Zeitalters stetig an. Hierbei werden Endkunden rundum beraten, von Energiemanagement, über die Planung der gesamten IT bis hin zur Medientechnik im Konferenzraum – bei Arup bleiben keine Wünsche offen. Die Arup Group hat ein erstaunliches Wachstum über die Jahre hingelegt und beschäftigt heute über 14.000 Mitarbeiter in mehr als 80 Büros auf der ganzen Welt. Die Arup Deutschland GmbH ist seit über 25 Jahren hierzulande tätig und umfasst drei Büros in Berlin, Frankfurt und Düsseldorf.

Bemerkenswert ist auch die Firmenphilosophie, auf die Arup seit mittlerweile 50 Jahren großen Wert legt, doch dazu mehr im Interview.

Was hat dieses Projekt so besonders für Dich gemacht?

Wie bereits erwähnt ist es ein unglaubliches Gefühl, wenn man seine Visionen in die Realität umsetzen kann. Überspitzt dargestellt ist es wie sein Kind aufwachsen zu sehen. Auf der anderen Seite bin ich an diesem Projekt auch gewachsen. Neun Jahre sind eine lange Zeit und währenddessen lernt man doch einiges dazu. Damit meine ich nicht nur das technische Know-how, sondern letztlich auch alle Facetten des Geschäftslebens. All das konnte ich dann an einer Vielfalt von anderen parallellaufenden Projekten in Europa anwenden, die mit Konferenzen, Hörsälen, Bildungszentren, Hotels, Bürogebäude, Kunstausstellungen, u.a. zu tun hatten.

Welche Facetten meinst Du genau?

In der Baubranche greifen viele verschiedene Gewerke ineinander. Architekten, Tragwerkplaner, Lichtplaner, Medienplaner, Informationstechniker und viele mehr, die auch ausführende Firmen einschließt. Die Herausforderung besteht hier in der Koordination, denn am Ende muss alles passen. So kommen in einem derartigen Projekt viele verschiedene Dinge zusammen, mit denen und deren Schnittstellen man sich beschäftigen muss. Teamwork, das Koordinieren, Absprachen einhalten aber auch das Verhandeln. Das alles komplementiert einen als Geschäftsperson.

Dein Arbeitgeber hat eine spannende Firmenphilosophie*, die 2020 ihr 50-jähriges „Jubiläum“ hat. Sind diese Werte heute noch genauso wichtig und werden Sie auch entsprechend eingehalten?

Das ist eine sehr spannende Frage, die wir uns regelmäßig selbst stellen und zu dem Entschluss gekommen sind, dass diese Punkte nach wie vor essentiell und sehr relevant sind. Zwar hat sich das Umfeld und unsere Unternehmensstruktur im Laufe der Jahre verändert aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Hauptwerte seit 50 Jahren unverändert wichtig sind.

Was ist ethisch und was nicht? Diese Frage muss man selbst reflektieren, denn es ist nicht immer alles schwarz oder weiß, sondern das Leben hat viele Graustufen. So ist der Grundsatz „Straight and honourable dealings“ jedes Mal aufs Neue eine Entscheidung, die man auf den Einzelfall abwägen muss. Da verhält es sich mit „Total architecture“ etwas anders, denn das ist meiner Meinung nach heute noch besser umzusetzen. Gerade weil wir so viele verschiedene Gewerke in unserem Unternehmen haben, ist es für mich so spannend, in dieser Branche tätig zu sein. In meiner Position agiere ich meistens als Schnittstelle zwischen AV/IT sowie anderen Baugewerben und diese Welten zu verschmelzen ist eine extrem facettenreiche Aufgabe.

„Never burn your bridges“

Damit ist gemeint, dass man seine Kontakte pflegen und sein Netzwerk ausbauen sollte.

Hast Du abschließend noch ein paar Tipps für Studenten?

„Never burn your bridges“ ist eine Redewendung die mir da sofort in den Sinn kommt. Damit ist gemeint, dass man seine Kontakte pflegen und sein Netzwerk ausbauen sollte. Auch wenn es einmal nicht der Traumjob war, sollte man doch versuchen, im Guten auseinander zu gehen. Ansonsten rate ich jedem jungen Menschen am Anfang seiner Karriere Erfahrungen zu sammeln und keine Angst zu haben, etwas Neues auszuprobieren. Gerade zu Beginn des Arbeitslebens hat man noch die Möglichkeit, Dinge weitaus tiefer zu bearbeiten und zu verstehen. Das ändert sich im Laufe der Zeit, da man mehr Verantwortung bekommt und einem schlichtweg die Zeit dazu fehlt. Doch dieses Wissen, was man sich während dieser Zeit aneignet, bleibt ein Leben lang und man kann immer davon profitieren.