Interview mit Jeffrey Strößner

Tontechniker, Consultant – Freiberufler

Jeffrey Strößner ist 35 Jahre alt und hat einige der größten Live-Sportveranstaltungen hautnah miterlebt. Anfangs noch als freiberuflicher Tontechniker, später dann festangestellt in diversen Positionen, war er maßgeblich daran beteiligt, die Live-Bilder diverser Olympiaden und Fußball-Weltmeisterschaften reibungslos auf die heimischen Geräte zu übertragen.

Zur Person

Tätig war er währenddessen für die Firma LAWO zu denen wir euch vorab etwas mehr erzählen möchten:

Lawo entwickelt, fertigt und vertreibt zukunftsweisende Netzwerk-, Control-, Audio- und Video-Systeme für Fernseh- und Radio-Produktionen, Postproduktion sowie Live-Events und Theateranwendungen. Das Produktportfolio umfasst Steuerungs- und Monitoring-Systeme, digitale Tonmischpulte, Kreuzschienen, Videoprozessoren sowie Lösungen für IP-basierte A/V-Infrastrukturen und Routingsysteme. Alle Produkte werden in Deutschland entwickelt und am Hauptsitz des Unternehmens in Rastatt nach höchsten Qualitätsstandards hergestellt.

Neben der Herstellung und dem Vertrieb dieser Produkte, bietet LAWO auch einen Vermietungs-Service an, worin Tontechniker vor Ort inbegriffen sind. Dieser Service wird vor allem für Sport-Großveranstaltungen beansprucht, wie beispielsweise die Olympiade oder Fußball-Welt- und Europameisterschaften. Eben diesen Job hat Jeffrey jahrelang bei LAWO ausgeführt.

Jeffrey, wie bist du in die Branche der Live-Übertragung gekommen?

Nachdem ich mein Abitur abgeschlossen habe, begann ich mein Bachelor-Studium Medienproduktion und Technik in Amberg. Ursprünglich komme ich aus dem Musikbereich und habe bereits während dem Studium Bands betreut und mich um die Tontechnik gekümmert. Dann habe ich mein erstes Praktikum bei einer Firma für Übertragungswägen in München absolviert.

Was waren Deine Aufgaben in diesem Praktikum?

Diese Firma beschäftigte sich damals überwiegend mit der Übertragung der Bundesliga. Dort lernte ich, worauf es bei Live-Übertragungen ankommt und wurde so in das Handwerk der Fernsehtechnik eingeführt. Diesem Thema sollte ich nach meinem Praktikum dann auch treu bleiben.

Wie ging es denn dann für Dich weiter?

Nach meinem Praktikum habe ich dort als Freiberufler weitergemacht, und habe unter anderem bei der Übertragung von Eishockeyspielen mitgewirkt. Während dieser Tätigkeit kam auch der Kontakt für das erste große Live-Ereignis zustande.

Welches denn, wenn man fragen darf?

Mein erstes großes Live-Event waren die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking. Dort war ich sozusagen als freiberuflicher Tontechniker vor Ort tätig.

Mein erstes großes Live-Event waren die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking.

So eine Olympiade dauert ja doch ein paar Tage. Wie konntest Du diese Zeit im Ausland mit deinem Studium in Einklang bringen?

Da hast Du Recht! Das mit der Regelstudienzeit hat im Bachelorstudium aufgrund der langen Zeit im Ausland nicht ganz geklappt. Durch die Olympiade konnte ich ein paar Prüfungen nicht schreiben, weshalb ich letztendlich noch ein Semester dranhängen musste. Alles in allem habe ich den Bachelor letztendlich aber dennoch erfolgreich abgeschlossen.

Den Bachelor hattest Du also in der Tasche. Ging es danach direkt in den Beruf?

Nein, im Anschluss habe ich mich an der Medienhochschule in Stuttgart eingeschrieben, um dort meinen Master zu machen. Während dieser Zeit habe ich auch einige Fachmessen, wie die IBC (International Broadcasting Convention) besucht, da ich auf der Suche nach einem Unternehmen war, in dem ich meine Masterarbeit schreiben konnte. So bin ich dann letztendlich auch zu LAWO gekommen, bei denen ich die Arbeit geschrieben habe.

Im Anschluss an meine Masterarbeit hatte ich direkt ein großes Projekt in den USA.

Worum ging es in Deiner Masterarbeit?

Meine Masterarbeit hat sich mit dem Thema Lautheitsmessung, also auch Lautheitssprünge zwischen Programm und Werbung befasst. Das war damals ein brandaktuelles Thema, was ich sehr pragmatisch angehen konnte. Im Anschluss an meine Masterarbeit habe ich dann bei LAWO meinen Arbeitsvertrag unterschrieben und hatte direkt ein großes Projekt in den USA.

Was für ein Projekt hast Du in den USA betreut?

Das war im Grunde eher ein AV-Projekt. Das Studio von Saturday Night Live (NBC) wurde damals mit einer komplett neuen Audioinfrastruktur ausgestattet. Hierzu kamen die neuen Mischpulte und die Audioverteilung von LAWO. Damals hatte LAWO noch keine große Präsenz in den USA, aber der Kunde hat sich einen Techniker vor Ort gewünscht.

Also dachte man sich bei LAWO „Komm, lass uns den Studenten hinschicken, der hat sonst nichts zu tun!“

Du wurdest einfach ins kalte Wasser geworfen?!

(lacht) Nein so war das nicht. Erst habe ich einen Crashkurs von April bis Juni erhalten. In dieser Zeit kam ich in den verschiedenen Abteilungen des Unternehmens zum Einsatz, also von Test bis hin zum Service. Im Anschluss war ich dann für ein halbes Jahr in New York, um das Projekt zu betreuen. Das war im Grunde ein richtiges Projekt-Engineering. Ich habe dort dem Kunden erklärt, wie man die Geräte konfiguriert, habe Produktschulungen an den Mischpulten abgehalten und dafür gesorgt, dass im September alles reibungslos funktioniert. Denn ab da ging die Sendung wieder live. Hierzu muss man sagen, dass diese Sendung eine enorme Strahlkraft in den USA hat. Das hat den Druck auf mich nicht gerade gemindert, aber das ist ja auch irgendwo der Reiz am Live-Fernsehen.

Was genau macht es für Dich so reizvoll?

Es gibt einfach keine zweite Chance! Alles muss funktionieren, denn es gibt keinen zweiten Take. Ich erinnere mich gut daran, als wir dann das erste Mal live auf Sendung waren. Das waren wirklich zwei sehr anstrengende und angespannte zwei Stunden.

Kannst Du uns ein paar Eindrücke hinter den Kulissen geben?

Ich habe diese zwei Stunden Backstage auf einer Couch verbracht und nur gehofft, dass hier und heute alles einwandfrei funktioniert. Jedes Mal als sich jemand umgedreht hat, ging mein Puls in die Höhe. Letztendlich lief die Sendung ohne Probleme und mein USA-Aufenthalt neigte sich dem Ende zu. Im Anschluss habe ich das abgeschlossene Projekt an einen Kollegen abgegeben, der sich zukünftig um diesen Kunden kümmert.

Man ist zwar nicht ständig unterwegs, aber wenn es dann mal losgeht ist man direkt für mehrere Wochen im Ausland. Das muss einem schon gefallen.

Und dann hast Du bei LAWO weitergemacht?

Frei nach dem Motto, es ist ja bisher nichts schiefgelaufen, mach mal weiter hatte ich sehr lange einen „Feuerwehr-Job“, sprich ich gab Schulungen, führte Demos vor und war eben dort, wo Not am Mann war. Unter anderem bei der Formel 1, wo man mit diesem Zirkus um die Welt reist.

Bei LAWO wurde in dieser Zeit ein Team für Großveranstaltungen zusammengestellt. Bisher wurde dieser Bereich eher nebenher betreut. Nachdem ich bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet vorweisen konnte, wurde ich als Leiter dieses Teams auserkoren. So ging es für mich im Anschluss weiter zur Olympiade nach London 2012 und 2014 zu den Winterspielen nach Sotschi. Danach war ich noch zweimal in Brasilien, für die Fußball-WM und die Olympiade.

Das klingt so, als bräuchte man für diesen Job eine hohe Reisebereitschaft?

Absolut! Man ist zwar nicht ständig unterwegs, aber wenn es dann mal losgeht ist man direkt für mehrere Wochen im Ausland. Das muss einem schon gefallen.

Was war Deine letzte Tätigkeit bei LAWO?

Zuletzt war ich Vertriebsleiter für die USA. Dabei war ich von Deutschland aus für ein Team aus Kollegen in den USA zuständig. Das habe ich bis zuletzt in diesem Unternehmen begleitet.

Was machst Du jetzt?

Mittlerweile habe ich ein eigenes Start-Up gegründet und bin aber noch für einige Key-Accounts von LAWO tätig.

Wie kam es zu der Entscheidung, sich selbstständig zu machen?

Nachdem ich bei LAWO bereits einige Stationen durch hatte, gab es dort keine Herausforderung mehr für mich, der ich unbedingt nachgehen wollte. Die Geschichte mit dem Vertriebsleiter hätte zu einem längeren Aufenthalt in den USA geführt, was ich zum Zeitpunkt nicht mehr wollte. Ich habe nach wie vor einen guten Draht zur Geschäftsführung und wir sind im Guten auseinander gegangen. So wurde mir ein weicher Einstieg in die Selbstständigkeit ermöglicht, den ich wahrgenommen habe. Neben der beruflichen Perspektive war es für mich ausschlaggebend, mich aus dem „Unternehmens-Korsett“ zu befreien, um das zu tun, was ich will.

Was willst Du mit dem neuen Start-Up umsetzen?

Das befindet sich noch im Anfangsstadium und ich möchte noch nicht so viel dazu sagen, aber eines ist sicher – es wird wieder etwas mit Sportproduktionen und AV im weitesten Sinne zu tun haben.

Kannst Du Studenten abschließend noch ein paar Tipps geben?

Den Rat schlechthin gibt es wohl nicht. Ich kann nur für mich selbst sprechen und ich kam mit einem Praktikum in die Branche. Da diese Branche so klein ist, profitiere ich noch heute von den Kontakten, die ich dort knüpfen konnte. Des Weiteren habe ich meine beiden Abschlussarbeiten bei Firmen geschrieben. Allein die Tatsache, dass meine Arbeiten praxisbezogen und auf realen Projekten basierten, ist ebenfalls in die Bewertung eingeflossen. So fiel es den Korrektoren leichter die Lösungsorientierung etc. zu bewerten. Was ich noch gemacht habe ist auf Fachmessen wie die IBC zu gehen. Dort habe ich mich mit den Leuten auf den Ständen unterhalten und so kam damals auch der Kontakt zu LAWO zustande. Das empfehle ich jedem, da man so schlichtweg bessere Eindrücke von der Arbeit bekommt.

Abschließend kann ich sagen, dass es in so einer kleinen Branche wichtig ist seine Kontakte zu pflegen und keine Brücken zu verbrennen. Man weiß schließlich nie, auf wen man in Zukunft nochmal trifft.